Thursday, January 12, 2006

Essay 2 -Geschichtetutorium

Essay Geschichtetutorium für 14.1.06:
Thema 2: Strukturalismus


Definition und Strukturalismus Lévi-Strauss’scher Prägung

Der Strukturalismus hat seine zwei Ursprünge in der Ethnologie und in der Linguistik des frühen 20. Jhdt. Strukturalismus ist eine wissenschaftliche Theorie, die davon ausgeht, dass man die Bedeutung empirisch sozialer Phänomene nie als isolierte Elemente einer Kultur betrachten kann. „ Im Gegenteil, diese Bedeutung wird allein bestimmt durch die Systeme von Beziehungen, welche die Phänomene miteinander verbinden“ (Hans Fischer/Bettina Beer;1983:296)
Um diese Erscheinungen einer Gesellschaft zu analysieren und zu verstehen , muss man Systeme von Beziehungen und ihre Auswirkungen mit einbeziehen, wie z.B. die Beziehung von Ehe und Verwandtschaft, das Austauschsystem, religiöse Glaubensvorstellungen, Rituale und Zeremonien, Mythen,…
Der Strukturalismus beruht auf der Annahme, dass menschliche Interaktionen welche das soziale Leben formen, immer einen Sinn haben und kommunikativ sind. Außerdem geht man davon aus, dass die Wahrnehmung und das Denken wie auch das Handeln von Personen determiniert ist, durch das bestimmte Repertoire von kulturellen Vorstellungen seiner/ihrer Gesellschaft. Die Person wird in dieser Gesellschaft sozialisiert und handelt nach diesen Vorstellungen; man kann von “imbodied” sprechen - unbewussten Handlungsweisen.
Es wird jedoch auch davon ausgegangen, dass diese Vorstellungssysteme und Gedankenstrukturen letztendlich von grundlegenden Eigenschaften des menschlichen Geistes hervorgebracht werden - Das war der Grundgedanke von Claude Levi-Strauss. Das heißt, dass Vorstellungssysteme die universalen geistigen Merkmale der Menschheit und kulturspezifische Bedeutungssysteme einzelner Gesellschaften verbinden. [1]
Strukturalismus generell ist nicht so sehr interessiert an sozialen Strukturen einer Gesellschaft als an den Strukturen des Denkens, der Ideen. [2]

Strukturale Linguistik

Ein Ursprung des Strukturalismus in der Anthropologie ist wie schon erwähnt die Linguistik, genauer die Strukturale Linguistik nach Ferdinand de Saussure. Er war Semiologe und Strukturalist und gab Anthropologen den Anstoß, die Arbeitsweisen der Sprachwissenschaft auf die Analyse von Gesellschaftssystemen umzulegen - denn um zu verstehen wie kulturspezifische Formen von Bedeutung und Wert durch verbale und nonverbale Handlungen kommuniziert werden, muss man sich mit der Linguistik beschäftigen.
Saussure fand heraus dass man die Sprache in ihrer freien Verwendung einteilen kann in strukturlinguistische Konzepte wie Zeichen, Bezeichnendes/Bezeichnetes, Wert, Opposition und distinktive Eigenschaften. Levi-Strauss fragte sich nun; wenn die Sprache in ihrer freien, von Menschen erschaffenen Verwendung eine koheränte Struktur aufweist “…ist es nicht unvernünftig, in jeglichem Kulturprodukt nach einer solchen Struktur zu suchen”
(Caws, 1988:94) [3]



Claude Lévi-Strauss

Claude Levi-Strauss war sowohl interessiert an der internen Logik einer Kultur sowohl als auch die Beziehung dieser Logik zu den allgemeinen Strukturen aller Kulturen. - also eine Überleitung herzustellen zu den Grundstrukturen des menschlichen Denkens. Er suchte nach dem Prinzip der psychischen Einheit, dass er “l’ésprit human”nannte, der oft auch als “collective unconscious” beschrieben wird. Levi-Strauss. Er arbeitete wie schon erwähnt mit den Hilfsmittel der strukturalen Linguistik wie z.B. mit Oppositionspaaren, Syntagmatische und Assoziative Beziehungen, Phonemen, dem Konzept der distinktiven Eigenschaften…. zur Beschreibung der Grundstruktur des menschlichen Denkens. Sein Forschungen spiegeln sich gut in 3 klassischen Beispielen wieder:

1. das kulinarische Dreieck
2. die elementaren Strukturen der Verwandtschaft
3. Mythen

1. Ein seiner fundamentalsten Lehren ist das Prinzip der binären Oppositionen. Levi-Strauss geht davon aus, dass der menschliche Verstand die Welt in Oppositionspaaren organisiert und von diesem Startpunkt aus, zusammen hängende Systeme von Beziehungen entwickelt werden.[4] Oppositionspaare in der Sprache wären z.B. p,b; d,t;… . Im kulinarischen Dreieck sind es Begriffe “Normal” und “Transformiert”, sowie “Kultur” und “Natur”, die sich gegenüberstehen. Kulinarisches Dreieck heißt es aus dem Grunde, dar Levi-Strauss die Zustände der Nahrung (roh, verrottet) und die Zubereitungsart der Nahrung (gekocht, geräuchert,) aufnimmt - Jede Gesellschaft hat, seiner Meinung nach, die gleiche Vorstellung vom Wert einer Nahrung, je nach ihrem Zustand. [5]

2. Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft:
Levis-Strauss war interessiert, inwieweit Regeln der Heirat soziale Strukturen beeinflussen oder sogar kreieren. Er schlug ein Modell vor, für die elementaren Systeme der Heirat, wobei die Grundlage aller Verbindungen, das universelle Phänomen des Inzestverbots sein muss. In allen Gesellschaften gibt es den Gegensatz zwischen dem Inzestverbot und den jeweiligen kulturspezifischen Regeln.[6]

3.Mythen
Schon bei der Analyse des Ödipus Mythos hat Levi-Strauss versucht, die kleinsten bedeutungs- tragenden Einheiten, aus denen Mythen gebildet werden, zu isolieren. Diese nannte er “Mytheme“, analog zu den Phonemen (den kleinsten Teilen der Sprache) aus der Linguistik. Weiters verglich Levi-Strauss 813 Mythen von amerikanischen Indianergesellschaften, um mythische Elemente zu finden, welche in allen Geschichten ,wenn auch stark transformiert, vorkamen. [7]
Mythen sollen nicht nur Geschichte erzählen, sie sollen Bedeutung schaffen und in symbolischem Sinne Wahrheiten aussagen. Die gleichen “Mytheme” können in verschiedenen Mythen aus verschiedenen Kulturen wieder gefunden werden.


Levi-Strauss gilt als der Begründer des Strukturalismus und beeinflusste nachkommende Größen der Sozialanthropologie, wie Francoise Héritier, Dan Sperber und Maurice Godelier.


Seine wichtigsten Werke sind:
• ’Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft’ (1949, 1963)
• ’Traurige Tropen’ (1955, 1963 - Prix Concour!)
• ’Das Wilde Denken’ (1962, 1968)
• ’Strukturale Anthropologie I+II’ (1958, 1967 bzw. 1973, 1975)
• ’Mythologien I-IV’ (1965-1973, 1970-1977)

Die neueren strukturanthropologischen Studien, konzentrieren sich hauptsächlich auf die Vorstellungen, welche das soziale Handeln der jeweiligen Gesellschaft bestimmen und begrenzen. Man beleuchtet “die Beziehung zwischen Einzelpersonen als kognitiven und moralischem Subjekt und dem System von Ideen und Werten einer Gesellschaft als Gesamtheit.” (Hans Fischer/Bettina Beer;1983:304) Außerdem die Art und Weise, wie solche Ideen- und Wertsysteme strukturiert sind und wie sie die rechtlichen, ökonomischen, politischen, religiösen und ästhetischen Aspekte einer Gesellschaft beeinflussen. [8]









Quellenverzeichnis:

[1] Hans Fischer/Bettina Beer; Ethnologie, Einführung und Überblick; 2003; S. 296 ff
[2] Alan Barnard; History and Theory in Anthropology; 2000; S.120
[3] Hans Fischer/Bettina Beer; Ethnologie, Einführung und Überblick; 2003; S.297,300
[4]Thomas Hylland Eriksen; Small Places, Large Issues;2001; S.116
[5] Alan Barnard; History and Theory in Anthropology; 2000; S.130
[6] Alan Barnard; History and Theory in Anthropology; 2000; S.128
[7]Hans Fischer/Bettina Beer; Ethnologie, Einführung und Überblick; 2003; S.302
[8]Hans Fischer/Bettina Beer; Ethnologie, Einführung und Überblick; 2003; S.304 f.
Weiters: VO, Geschichte der KSA von Prof. Ginrich 03/04

Saturday, November 26, 2005

Referat Marcel Mauss

Marcel Mauss


Marcel Mauss wurde 1872 in Épinal im Nordosten Frankreichs, als Sohn eines jüdischen Textilhändlers geboren. Sein Onkel war Émil Durkheim, der ihn schon früh förderte. Er studierte Philosophie, Psychologie, Jura und Soziologie an der Université de Bordeaux in Bordeaux, wo damals sein Onkel Émile Durkheim lehrte;

1892 erhielt er sein Lizenziat. Er begann allerdings nicht zu unterrichten, sondern ging nach Paris, an die “École Pratique des Hautes Etudes” und an die “Sorbonne” um seine Studien fortzusetzen. Er spezialisierte sich auf „vergleichende indo- europäische Linguistik“ , Indologie, Sanskrit, Hebräisch und Religionsgeschichte .
Mauss war vom Sozialismus sehr beeinflusst und war auch politisch aktiv: Er nahm an der Genossenschaftsbewegung teil, der er zeitlebens verbunden blieb und war auch Mitglied bei der "Parti Socialiste. Française de l’Internationale Ouvrière“ der sozialistischen Partei.

1901 - 1939 war Mauss Dozent für Religionsgeschichte nicht-zivlilisierter Völker an der École Pratique des Hautes Études in Paris.
1901 brachte er, gemeinsam mit seinem Onkel Émile Durkheim, die Zeitschrift "L’Année sociologique" (Paris) heraus. Das Magazin enthielt Artikel aus den diversen Geisteswissenshaften, was es berühmt machte. Während des Ersten Weltkrieges musste die Produktion eingestellt werden und erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Zeitschrift wieder herausgegeben werden. Sie existiert bis heute.

Zwischen 1906 und 1929 war Marcel Mauss ,als Gesandter und Regierungsbeauftragter Frankreichs, in Deutschland, in der Sowjetunion und in Großbritannien unterwegs.
Im ersten Weltkrieg kämpfte er als Kriegsfreiwilliger. Er verlor viele seiner Freunde und kurz darauf auch seinen geschätzten Onkel Émil Durkheim.
Mauss gründete 1925, zusammen mit Paul Rivet und Lucien Lévy-Bruhl das „Institut d’Éthnologie“ an der Sorbonne in Paris; auch mit dem Sinne das Andenken Durkheims zu bewahren .
Kurz darauf übernahm er eine Professur in Soziologie am Collège de France, doch während des zweiten Weltkrieges wurde er seines Lehrstuhls enthoben. Er wurde außerdem aus seiner Wohnung vertrieben und musste sich versteckt halten. Viele seiner Schüler, Freunde und Mitarbeiter starben im Konzentrationslager.
Erst 1944 folgte durch einen Erlass die Reaktivierung als Professor am Collège de France, er ging jedoch sogleich in Ruhestand und verfiel in Schweigen. Marcel Mauss starb am 11.2.1950 in Paris.

Er hinterließ uns hauptsächlich Essays wie natürlich sein bekanntestes Werk „Essai sur le don“ ( Die Gabe ) die er 1925 herausgebrachte.
Zu seiner Person ist noch zu sagen, dass er nie selbst Feldforschung betrieb, er war einer der letzten „armchairanthropologists“, aber er hatte ein unglaubliches Wissen über Kulturgeschichte, verschiedene Völker (durch ethnographisches Material verschiedenster Forscher) und über Sprachen. Es ist auch irgendwie ironisch, dass Mauss selbst Unterricht gab, in Techniken zur Beobachtung im Feld.

Mauss gilt als Gründer der französischen Ethnologie
Mauss legte mit Durkheim die Grundlage für die British Social Anthropology
Mauss hat einen wichtigen Beitrag geleistet zum Begriff der Reziprozität




Überblick über den Essay “Die Gabe “ von Marcel Mauss 1925

Der Essay “die Gabe” stellt die erste systematische vergleichende Studie über den Gabentausch und dessen gesellschaftliche Einbettung dar. Er untersuchte also das weit verbreitete Phänomen des Gebens und Nehmens und gründet seine Analyse vor allem auf zwei ethnographische Beispiele: den “kula” auf den Trobriand-Inseln in Melanesien und den “potlach” bei den Indianern des nordwestlichen Amerikas.

Der Kula ist ein Handelssystem innerhalb und zwischen verschiedenen Stämmen, der eine Vielzahl von Gesellschaften auf den nordöstlichen Inseln vor Neuguinea in einem “Ring” verbindet. Es zirkulieren immer 2 Arten von kostbaren Dingen beständig gegeneinander. Der Gabentausch der wertvollen Dinge dient nur als Mittel zum Zweck, zum Schaffen und zum Aufrechterhalten von sozialen Beziehungen. Die Gabe ist nur ein Element in einem System von gegenseitigen Leistungen zwischen Gruppen und Individuen, denn es werden nicht nur die wertvollen Dinge ausgetauscht sondern auch Wissen, Rituale, Tanz…
Für Mauss ist dieses System - das “System der totalen Leistungen” , weil die Gesellschaft in ihrer Ganzheit daran teilnimmt.

Das System der totalen Leistung "fait social total" bringt 3 "Verpflichtungen" mit sich:
Geschenke machen
Geschenke annehmen
(Ablehnen heißt Freundschaft und Gemeinschaft verweigern)
Geschenke erwidern
(Erwidern der Gabe durch eine Gegengabe = Reziprozität)
Die Wechselwirkung von Rechten und Pflichten, bzw. Gaben anzubieten und zu empfangen erzeugt soziale und geistige Bindung.

Mauss stellt sich die Frage: “ Welches ist der Grundsatz des Rechts und Interesses, der bewirkt, dass in diesen Gesellschaften, das empfangene Geschenk obligatorisch erwidert wird? “ - Warum muss man eine Gegengabe leisten ?

Im Kula, bzw. im Begriff “hau” findet Mauss die Erklärung für die obligatorische Erwiderung der Gabe. Der Gabe wohnt sozusagen ein “Geist” , eine “Seele” inne, ein Teil des Gebers; damit ist bei der Übergabe an den Empfänger eine Seelen-Bindung erzeugt worden, und der Empfänger ist moralisch verpflichtet eine Gegengabe zu leisten. Man glaubt auch, dass es auf Grund einer magischen religiösen Macht gefährlich ist, eine Gabe länger zu behalten.

Den Potlach in Nordwestamerika kann man als wettbewerbsmäßigen Geschenke Austausch bezeichnen. Die Kwakiutl und die Nachbarstämme beschenken sich mit maßlos übertriebenen Geschenken um ihren Reichtum zu zeigen. Jeden Winter findet dann ein großes Fest statt, bei dem sich alle Stämme treffen. Dabei werden maßlos teure Dinge zerstört und verschleudert um den anderen Stamm zu demütigen und um seinen Reichtum zu zeigen. Oft ruinieren sich Stämme dabei materiell, doch der Stamm der sich erlauben kann, seinen Reichtum am verschwenderischsten auszugeben, genießt das höchste Ansehen. Es entsteht sozusagen ein Hierachie zwischen den Stämmen.
Mauss bezeichnet den Potlatch als übertriebene Form von dem weit verbreiteten System der Reziprozität, welches in vielen Gesellschaften einen wichtigen sozialen Faktor hat.

Marcel Mauss schreibt in seinem Werk auch über die zeitgenössische Gesellschaft, die bestimmt sei von „ der kalten Berechnung des Kaufmanns, Bankiers oder Kapitalisten“ und in der statt vertrauensvoller, auf dem Gabentausch beruhender Bündnisse Krieg und Gewalt vorherrschen. Er stand noch unter dem traumatischen Eindruck des ersten Weltkrieges und Frieden war für ihn nur erreichbar, wenn Völker und Nationen lernen sich großzügig und solidarisch zu verhalten. Wissenschaft und Politik, die für Mauss vereinbar sein könnten, treffen sich am Ende des Buches zu einem utopischen Finale.

Marcel Mauss war ein beeindruckender Mensch und ein Vorbild für nachkommende Ethnologen wie Levi-Strauss in Frankreich und Radcliffe-Brown in GB.

















Quellenangabe:

T. H. Eriksen; Small Places, Large Issues S.17 ff, S.182 ff,
Feest, Kohl; Hauptwerke der Ethnologie S. 289 ff,
Hans Fischer, Bettina Beer; Ethnologie / Einführung und Überblick S. 117 ff
Biographie:
Internet
Referat Hauser Katharina

Monday, October 24, 2005

Gedankensammlung

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